Kalmar, Montag 15.6.20
Gestern Morgen haben wir den schönen Hafen von Dragsö gegen 7 Uhr verlassen. Am Abend vorher wurde erstmalig bei dieser Reise gegrillt, zusammen mit Heike & Heiko (Flying Fish XS).
Angedacht war nur bis Kristianopel am südl. Anfang des Kalmarsundes zu reisen. Ca. 30sm, aber gut die Hälfte davon durch den Schärengarten östlich von Karlskrona. Wir fahren diesen teilweise sehr schmalen Fahrweg unter Maschine. Es ist sonnig und der Wind weht gegenan mit 3-4 Bft. Eine wunderschöne Fahrt durch die Schären. Tonnensuche mit dem Fernglas. Landmarken, die kaum zu erkennen sind, ein Inseltaxiboot, welches mit hoher Geschwindgkeit (Sog und Wellenschlag) genau an einer schmalen Stelle an uns vorbeisaust. Wir sind voll konzentriert, dementsprechend keine Fotos.
Dann öffnet sich die Wasserfläche zum Kalmarsund hin. Geschafft, denken wir. Aber dort laufen steile hohe Wellen an. Kaline kämpft sich unter Maschine voran. Das ist mehr Wind und Welle, als vorhergesagt. Um die Mittagzeit sind wir auf Höhe von Kristianopel. Zu früh, um den Tag schon im Hafen zu verbringen. Als nächster Stopp bietet sich Bergkvara an, gut 8 sm weiter. Den Ort peilen wir jetzt an. Mittlerweile hat der Wind etwas gedreht. Maschine aus, Segel hoch. Zwar müssen wir kreuzen, aber wir machen gut Höhe. Kurze Zeit nachdem wir die Segel gesetzt haben, komme ich mit meinem Fuss an den Bootshaken. Der rutscht aus seiner Halterung und taucht in die Ostsee ein. Aber der kann schwimmen, nur nicht eigenständig zum Schiff zurück. Also Maschine an, Vorsegel eingerollt und „Bootshaken über Bordmanöver“ (BüB) gefahren. Überlicherweise lassen sich über Bord gegangene Dinge gut mit dem Bootshaken einfangen, aber wie jetzt diese Stange aus dem Wasser fischen? Wir lassen die Heckklappe herunter und fahren rückwärts auf den treibenden Bootshaken zu. Versuch eins misslingt. Der zweite Versuch klappt. Gabi nimmt ihn auf. Genau in dem Moment schwappt ein Welle aufs Heck. Das wurde eine unfreiwillige Dusche für Gabi.
Der Boothaken ist deshalb für uns so wichtig, weil daran eine Vorrichtung montiert ist, die es uns ermöglicht eine Leine mit einem Karabinerhaken an Festmacherbojen anzubringen.
Achja, Bergkvara sollte unser ja unser nächstes Ziel werden und wir sind mittlerweile auf dessen Höhe. Bis Kalmar sind es von hier noch gut 20sm, also in etwa 4-5 Std zu erreichen und es ist gerade mal 16 Uhr. Der Wind soll tagsdrauf für die Fahrt bis Kalmar ungünstiger sein. Wir sind uns nicht ganz einig, was wir tun wollen. Verlockend ist Kalmar als Stadt und wir wären weiter nach Norden gekommen. Kalmar wird als Ziel gesetzt. Wir segeln weiter. Doch der Wind wird böig, es entsteht eine steile Welle, die Kaline ganz schön ausbremst. War es die richtige Entscheidung weiterzusegeln? Wir könnten jetzt in Bergkvara sitzen und den Rest des Tages im geschützen Hafen geniessen.
Wir rollen die Segel ein und fahren 3 Std. unter Maschine bis Kalmar. Kurz vor 21 Uhr machen wir im Gästehafen (an einer Heckboje, der Bootshaken kam zum Einsatz) fest.
Heute morgen werden wir um 7 Uhr durch Schritte an Deck wach. Etwa der Hafenmeister? Schlaftrunken mache ich das Schiebeluk auf und schaue ins Cockpit. Da steht ein älterer Mann mit Rucksack und erzählt etwas von „er war doch gestern mit zum Einkaufen und solle doch vorbeikommen. Eine Bavaria 31 und wir kämen doch aus Tallin“. Also ist verstehe völlig Bahnhof. Ich sage ihm, dass da was schief läuft. Er müsse sich da vertun. Wir sind nicht das gesuchte Boot. Er entschuldigt sich, uns wach gemacht zu haben, verlässt das Schiff und geht suchend weiter. Was das jetzt sollte?
Bisher wurden wir ja ordentlich verwöhnt, was Sonnenschein angeht. Gut, die Temperaturen sind noch nicht im Wohlfühlbereich, wenn wir dem Wind ausgesetzt sind. Im Windschatten ist es top. Es liegt wohl ein stabiles Hochdruckgebiet über Skandinavien. Das hat aber zur Folge, dass auf dessen Rückseite der Wind aus Norden weht und dazu meist auch noch schwach. Genau von dort, wohin wir reisen bzw. segeln wollen. Das ist u.a. der Grund, warum wir dann auf unseren Motor zurückgreifen (müssen), um gen Norden voranzukommen.
Wir lesen, dass aktuell in Deutschland heftige Unwetter unterwegs sind.
Hier ist eine kleine Wetterstörung seit Mittag eingetreten. Es regnet durch bis in den späten Nachmittag hinein. Als Münsteraner sind wir bestens vorbereitet. Regenjacke und -hose sind dabei und so radeln wir bis zum IKEA. Einfach, um es mal im Herkunftsland gesehen zu haben und irgendetwas gibt es bestimmt. Stabile Gläser finden den Weg in die Einkaufstasche.
Kalmar ist natürlich bekannt für sein Schloss. Aussenbesichtigung machen wir bei Regen. Zurück an Bord hängen wir die feuchten Sachen auf. Nach einer kleinen Pause, der Regen hat aufgehört, setzen wir unsere kleine Sightseeing-Tour in der Altstadt fort.
Morgen wollen wir dann weiter nördlich in eine Schärenbucht, um entweder an eine SXK-Boje oder vor Anker zu gehen.
